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Schneechaos zum chinesischen Neujahrsfest 2008-02

Bahnhof Guangzhou-Quelle:Spiegel.de

Was hat das Schneechaos, welches seit der letzten Januarwoche ueber China hereingebrochen ist, mit Guangzhou (Kanton) -der im subtropischen Suedchina gelegenen Millionenstadt- zu tun?

Recherchiert man im Internet ueber Klimadaten, so werden die milden Winter in Guangzhou (Kanton) mit einer Tiefsttemperatur von 10 °C angegeben. Heute haben wir 5 °C und es regnet schon wieder seit Stunden, eigentlich seit Tagen, obwohl keine Regenzeit ist. 5 °C klingen als Wintertemparatur nicht besonders kalt. Aber hier gibt es keine Heizungen in den Gebaeuden. Nicht alle koennen sich den Strom fuer eine Klimaanlage mit Heizfunktion oder Heizgeraete leisten. Seit Tagen kann ich gegenueber die Familie mit dem Kleinkind in dicken Thermoanoraks durch die Wohnung laufen sehen. Die Balkontuer ist meistens offen, da es drinnen genauso kalt ist wie draussen.

Letzten Samstag war ich mit Fanny -einer chinesischen Freundin- unterwegs. Wir steckten im Stau, in Guangzhou war auf den Strassen die Hoelle los. Zu der Zeit wusste ich noch nicht, was sich gerade auf dem Bahnhof abspielte.

Der Schnee selbst, der bereits in den noerdlich angrenzenden Provinzen Hunan und Jiangxi, fuer katastrophale Zustaende sorgte, ist es nicht, der Guangzhou in die Schlagzeilen bringt. Das chinesische Neujahrsfest (dieses Jahr am 7. Februar) - auch Fruehlingsfest genannt- loest jaehrlich eine ca. 40taegige inlaendische Reisewelle aus, die unter normalen Wetterbedingungen schon eine logistische Meisterleistung darstellt. In diesem Jahr rechnet das chinesische Bahnministerium waehrend dieser Zeit mit 178,6 Millionen Passagieren.

In Guangzhou leben ca. 3,5 Millionen Wanderarbeiter, die garantiert ihren gesamten Jahresurlaub fuer die Heimreise zu ihrer Familie aufgespart haben. Auch in der Firma haben viele der Kollegen ihre Eltern oder Schwiegereltern in einer anderen Provinz, die sie zum wichtigsten chinesischen Fest besuchen wollen oder eingeladen haben.

Montag, den 28.Januar 2008

Quelle:www.spiegel.de -Leere Gleise-136 Zuege werden gestrichenDurch den Stromausfall am Samstag in der benachtbarten Provinz Hunan fallen 136 Zuege aus. Elf Flughaefen werden in China wegen Schnee und Eis geschlossen. Quelle: www.spiegel.de Eingestuerzte Moebelfabrik in ShanghaiDie Transporte von Kohle und Lebensmittel und damit die Versorgung der Menschen mit Energie und Nahrung stocken.

In Shanghai stuerzen 37 Haeuser unter den Schneelasten ein und die Krankenhaeuser kommen mit der Behandlung von Knochenbruechen nicht nach. 

Die Zahl der Wartenden auf dem Guangzhouer Bahnhof wird auf 200.000 geschaetzt und die Behoerden fordern Universitaeten und oeffentliche Einrichtungen auf, zur Versorgung und Unterbringung der Gestrandeten beizutragen.

Quelle:www.spiegel.de Wartende auf dem Bahnhof in Guangzhou Quelle: www.spiegel.de | Verzweifelt versuchen einige Bahnreisende auf den Bus umzusteigen

Dienstag, den 29.Januar 2008

Quelle: www.china-guide.de |Busunglueck GuizhouIn der Provinz Guizhou ist ein Reisebus auf vereister Strasse verunglueckt. 25 Menschen sterben. Zum Zeitpunkt des Ungluecks herrschen -2°C, was fuer diese Region ungewoehnlich ist. Keine Ahnung, ob man dort ueberhaupt bisher Winterreifen brauchte.

Quelle:www.spiegel.de | Menschenmassen vor dem Bahnhof GuangzhouUm den Guangzhouer Bahnhof herum sollen Medienberichten zufolge 500.000 Menschen auf eine Zugverbindung warten. Sie frieren, haben Hunger und bewaffnete Einheiten der Polizei muessen fuer Ruhe und Ordnung sorgen.Quelle:www.spiegel.de | Ordnungskraefte auf dem Guangzhouer Bahnhof

 

 

 

 

 

Es werden Notunterkuenfte, Toiletten und Essenstaende eingerichtet und an einem Tag 100 Tonnen Muell produziert.

Eine Kollegin, die seit Sonntag auf dem Baiyun-Airport in Guangzhou auf ihren Flieger wartet, um mit ihrem Freund dessen Eltern zu besuchen, bekommt endlich einen Flug.

Mittwoch, den 30. Januar 2008

Es regnet wieder den ganzen Tag bei 7 °C. Ministerpraesident Wen Jiabao spricht vor dem Guangzhouer Bahnhof zu den Menschenmassen und verspricht alles zu tun, die Zustaende in den Griff zu bekommen.

Quelle:www.spiegel.de | Ministerpraesident WenJiabo beruhigt die Massen auf dem Guangzhouer Bahnhof

Quelle: www.spiegel.de |Hunderttausende vor dem Guangzhouer Bahnhof im Regen und bei 6 Grad

Aber die Wetterlage verspricht keine Besserung. Zuerst muss die Provinz Hunan vom Eis befreit werden, damit die Kohletransporte wieder rollen, die Stromversorgung wieder funktioniert und die Zugverbindungen aufgenommen werden koennen.

Der Schneesturm hat im Land bisher 107.000 Haeuser zerstoert und Strommasten brechen unter der Schneelast zusammen, der Kohlenachschub fuer die Kraftwerke stockt, in 17 Provinzen werden bereits Strom und Dieselkraftstoff rationiert. Auch in Panyu wird gebietsweise der Strom abgeschaltet und in der Firma uebernimmt der Dieselgenerator die Stromerzeugung. Die Preise fuer Reis und Gemuese schiessen in die Hoehe, da in einigen Regionen diese Grundnahrungsmittel knapp werden. Die Medien sprechen von der schwersten Kaeltewelle seit 50 Jahren.

Donnerstag, den 31. Januar 2008

Quelle: www.focus.de |Eisige Kaelte im BusQuelle:www.china-guide.de Die Schlagzeile des Tages: "Nach drei Tagen im eisigen Bus bringt Chinesin Baby zur Welt." Drei Tage hatte sie frierend im Bus ausgeharrt, bis ein Krankenwagen sie in ein Krankenhaus zur Entbindung brachte. Der kleine Junge heisst "Zhongsheng" (in der Menge geboren). Die kleinen Kinder tun mir am meisten leid. In Kanton haben wir 7 °C, aber weiter noerdlich ist es ja noch viel kaelter. Bisher starben landesweit 64 Menschen bei den tagelangen Schneefällen. Mindestens 1,6 Million Menschen wurden aus den vom Schnee eingeschlossenen Dörfern in sichere Regionen gebracht.

Laut Medienberichten warten in den verschneiten Gebieten noch 960.000 Menschen auf Rettung, nachdem 149.000 Haeuser zerstoert und 602.000 beschaedigt wurden.    Quelle: www.spiegel.de | Bahnhof ShanghaiQuelle: www.spiegel.de | Armeeeinsatz auf der Bruecke in Nanjing

 

 

 

 

 

Freitag, den 01. Februar 2008

Mittlerweile kursiert die Zahl von 800.000 Menschen, die auf dem Guangzhouer Bahnhof ausharren. Ich frage mich, wieviel Muell taeglich dort zu entsorgen ist, wie die sanitaeren Einrichtungen aussehen, woher die Menschen zu essen bekommen, wie sie schlafen und wie sie sich warm halten. Ein Wunder, dass die Lage noch nicht eskaliert ist.

Quelle: www.focus.de | Bahnhof GuangzhouDie Regierung fordert aufgrund der anhaltenden Kaeltekatastrophe von den Wartenden den Verzicht auf die Neujahrsreise. Der Appell an die vielen Wanderarbeiter, das Fest nicht wie sonst ueblich mit ihren Familien zu feiern, traegt keine Fruechte. Das ganze Jahr ueber ist es oft der einzige Lichtblick fuer die Wanderarbeiter, dass sie zum Neujahrsfest Frau und Kind wiedersehen. Die Unternehmer werden von den Behoerden aufgefordert, die ueber die Feiertage geschlossenen Schlafsaele kostenfrei wieder zu oeffnen.

Planmaessig sollten am Donnerstag wieder 98 Zuege von Guangzhou aus verkehren und somit fuer 200 000 Menschen das Warten ein Ende haben. Allerdings sind 2,5 Millionen Fahrkarten verkauft worden.

In unserem Wohngebiet gab es bisher noch keine Stromausfaelle, nur der Supermarkt hatte nicht so ueppig gefuellte Regale wie sonst, da kein Nachschub gekommen ist.

Samstag, den 02. Februar 2008

Noch ein Grad weniger. Heute sind 5 °C und es nieselt. Offiziell wird berichtet, dass der Verkehr langsam wieder anrollt und die Behoerden ziehen erste Bilanzen: Landesweit 5 Milliarden Euro Schaden, 223.000 zerstoerte und 862.000 beschaedigte Haueser. Seit dem 25. Januar mussten rund 5,8 Millionen Bahnreisende mit langen Verspätungen kämpfen oder auf ihre Reise verzichten. Mehr als 10.000 Zugfahrten und 5.500 Fluege wurden verschoben oder gestrichen.

Quelle: www.news.xinhuanet.com  |um den Bahnhof GZAuf dem Bahnhof Guangzhou durften gestern die Fahrgaeste, die zufaellig fuer den Freitag ein Ticket hatten, einsteigen. Diejenigen, die bereits seit Tagen ausharren, gingen leer aus und muessen weiter warten.

Und das Wetteramt warnt vor weiteren Schneestuermen in neun Provinzen. Die Behörden versuchen viele Wanderarbeiter zu überreden, ihre Fahrkarten zurückzugeben und das Neujahrsfest in der Region zu verbringen. Guangzhou will Neujahrsfeste organisieren fuer all diejenigen, die nicht in ihre Heimat kommen.

 

Sonntag, den 03. Februar 2008

Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein, aber nur 4 °C heute morgen. Die Familie gegenueber mit dem kleinen Kind hat alle Fenster weit geoeffnet, um die Waerme der Sonne hinein zu lassen. Am Tag werden wenigstens angenehme 11°C.

Quelle: www.china-blog.de-Strasse Watchmarkt-BahnhofDie aktuellen Bilder, die heute die Situation auf dem Bahnhof zeigen, sehen nicht besser aus als die Tage zuvor.

Auf der 10 spurigen Strasse vom Watchmarkt zum Bahnhof Menschenmassen soweit das Auge reicht. Der Wetterdienst warnt vor weiteren Schneefaellen und Eisregen in den anderen Provinzen.Quelle:www.china-guide.de | Eisregen und Frost machen die Gleise unpassierbar-selbst im Norden Guangdongs

 

 

 

 Die Regierung setzte nach eigenen Angaben hunderte zusätzliche Züge ein, um die Menschenmassen zu transportieren. Aber der Eisregen hatte sogar die Gleise im Norden unserer Provinz Guangdong bald wieder fest im Griff.

Die Hotels entlang der Nord-Suedverbindung erhoehen ihre Preise und die Regierung droht ihnen mit Strafe.

Montag, den 04. Februar 2008

Das sonnige Wetter von gestern ist vorbei und bei 8 °C regnet es schon wieder. Den Erdbeeren auf den Feldern, die hier gerade Saison haben, duerfte das auch zu kalt sein.

Die Frustration der Wartenden auf dem Guangzhouer Bahnhof waechst und es kommt zu immer mehr Tumulten. So versuchten 12000 Polizisten hunderttausende Wanderarbeiter davon abzuhalten, die Gleise zu stuermen. Laut Medienberichten wurde dabei eine Frau totgetrampelt. Die Angst vor einer Massenpanik waechst. Uebermorgen wollen alle daheim sein, dann beginnen die Feiertage. Gestern sassen noch 1,4 Millionen Zugpassagiere in Guangzhou fest und der Bahnsprecher sagte, jeder wird bis uebermorgen abend in einem Zug sitzen.

Renate -eine Deutsche, die unweit des Guangzhouer Bahnhofes ihr Buero hat- erzaehlt, dass alle die zum Bahnhof wollen seit heute einen Umweg von einer Stunde laufen muessen. Um die Menschenmassen zu kontrollieren, werden alle um den nahegelegenen Park herumgeleitet. Damit wird bewirkt, dass sich die Massen besser verteilen.

Das Essen wird mit 0,50 € subventioniert, damit sich die Aermsten, die sich gerade mal das Zugticket leisten konnten, fuer 0,30 € eine Essensbox kaufen koennen. Nachts werden die Stadien und Messehallen fuer die, die wieder nicht weggekommen sind, geoeffnet.Quelle:www.news.xiahuanet.com | Province Jiangxi

 

 

 

Dieses Bild aus der Jiangxi-Provinz, die im Nordosten an unsere Provinz Guangdong angrenzt, laesst einen wirklich das Blut in den Adern gefrieren.

 

 

 

 

Dienstag, den 05. Februar 2008

Die Temperatur in Guangzhou ist etwas gestiegen, wir hatten heute 11 °C. Die Lage auf dem Bahnhof Guangzhou scheint sich etwas zu entspannen, da die blockierten Eisenbahnstrecken teilweise wieder freigegeben werden konnten. Wir hoffen das Beste und wuenschen allen Wartenden, dass sie das Neujahrsfest vielleicht doch noch im Kreise ihrer Familie feiern koennen.

Ein glueckliches jahr der Maus

新年快乐

Happy New Year

Und wir sind dann erst mal weg, etwas Waerme tanken.

Zur Uebersicht 'Ausfluege und Events'

 

 

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